Brennnesseljauche als natürlicher Dünger
Brennnesseljauche als natürlicher Dünger

Brennnesseljauche als natürlicher Dünger

Brennnesseljauche als natürlicher Dünger? Was ist das? Zunächst einmal folgendes: Bei meinem Garten will ich – daher auch der Namen dieser Webseite „Natürlich im Garten“ – auf Chemie und künstliche Substanzen verzichten. Keine chemischen Insektizide, Pestizide oder Fungizide und auch kein Kunstdünger wie „Blaukorn“ und Co. Aber dennoch wollen vor allem starkzehrende Pflanzen hin und wieder auch eine nährstoffreiche „Stärkung“ haben. Eine Idee ist zunächst mal ein intaktes Bodenleben, dass ich mit den Effektiven Mikrooganismen unterstützen und fördern will. Natürlicher Humus und Kompost bieten Pflanzen eine sehr gute Grundlage.

Aus dem Garten in den Garten

Das, oder mein Prinzip soll dabei sein: Aus dem Garten in den Garten. Sprich, Biomasse, die in meinem Garten entsteht und durch Rückschnitt, Rodung etc. anfällt, soll vor allem als Kompost im Garten bleiben und diesem zu Gute kommen. Aber ab und an muss man ja auch Düngen. Du weißt schon, Starkzehrer und so. Auch hier will ich so gut wie möglich das eben genannte Prinzip umsetzen. Und deshalb habe ich mir vor ein paar Wochen erstmals eine sogenannte Brennnesseljauche angesetzt, die nach dem “Durchreifen“ als flüssiger Dünger im Verhältnis 1 zu 10 mit Wasser gemischt und an die Pflanzen gegossen wird.

Diese Jauche anzusetzen ist einfach. Sehr einfach. Du kannst Die Brennnesseljauche auch fertig kaufen. Aber die dafür aufgerufenen Preise sind echt eine Frechheit, wenn man bedenkt, wie einfach die Herstellung ist und dass es die Zutaten in der Natur kostenlos gibt. Meine Brennnesseln habe ich im eigenen Garten geerntet. Und wenn Du Regenwasser benutzt, statt Leitungswasser, kostet das Ganze nicht einmal „Wassergeld“. Also frisch ans Werk!

Brennnesseljauche als natürlicher Dünger ansetzen

Du brauchst einen großen Eimer oder einen Bottich, Wasser und Brennnesseln. Die Brennnesseln werden in den Bottich voller Wasser eingelegt und beginnen darin zu fermentieren. Sobald der Prozess nach circa 7 bis 14 Tagen – je nach Wetter und Temperatur – abgeschlossen ist, hast Du die fertige Brennnesseljauche, die die Pflanzen, die Du damit Düngst, vor allem mit Stickstoff, Kieselsäure und Kalium, aber auch anderen lebenswichtigen Spurenelementen versorgt. Hier habe ich das „grobe Rezept“ zum ansetzen einer Brennnesseljauche für dich:

  1. Du brauchst einen Eimer mit 10 Litern Fassungsvermögen
  2. Von frisch geschnittene Brennnesseln brauchst ein Kilo auf 10 Liter Wasser
  3. Die Brennnesseln packst Du in den Eimer. Wenn Du willst, kannst Du die etwas kleinschneiden.
  4. Du füllst den Eimer mit Wasser auf. Es wird zwar immer Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser empfohlen. Ich hab es mit „frischem“ Leitungswasser gemacht, funktioniert genau so.
  5. Du stellst das Ganze in die Sonne und rührst einmal am Tag um.
  6. Die Jauche ist fertig, wenn – auch beim Umrühren – keine Bläschen mehr aufsteigen. Das dauert je nach Wetter und vor allem Sonnenwärme 7 bis 14 Tage. Im Sommer geht es rasch, im Frühjahr dauert es länger

Das Zeug stinkt! Ein paar Tipps

Als ich meine erste Ladung Brennnesseljauche fertig hatte, habe ich festgestellt: Das Zeug stinkt. Es stinkt sogar massiv und wiederlich! Der Name Jauche ist absolut und definitiv gerechtfertigt, denn diese grünbraune Soße stinkt intensiv nach fauliger, gäriger Jauche. Ein Spritzerchen davon auf Hemd oder Hose und Du bist in den Klamotten nicht mehr gesellschaftsfähig! Also habe ich gemacht, was man da so macht: Gegoogelt.

Deshalb hier Tipp Nummer 1: Setze die Jauche mit Beigabe der Menge von circa zwei bis drei Kaffeetasse Urgesteinsmehl auf 10 Litern an. Das Urgesteinsmehl bindet nicht nur sehr viel Gerüche, es liefert selbst auch weitere Nährstoffe und macht die Jauche wertvoller. Meine zweite Ladung Brennnesseljauche war geruchstechnisch dank des Urgesteinsmehls schon deutlich unauffälliger.

Und hier Tipp Nummer 2: Deckel drauf! Wie Du oben in dem kleinen Video siehst, habe ich für meine Brennnesseljauche so eine Plastiktonne mit einem Deckel im Einsatz. Der Deckel hat zwei Vorteile. Der Geruch bleibt „drin“ und die Insekten bleiben „draußen“. Der Deckel hilft tatsächlich, dass der entstehende Geruch deutlich weniger deutlich wahrnehmbar ist. Du willst ja Deine Nachbarn nicht olfaktorisch bespaßen, egal wie Du zu ihnen stehst. Vor allem aber willst Du das „Aroma“ auch selbst nicht während der Reife der Jauche in der Nase haben. Deshalb steht die Plastiktonne bei mir auch „ganz hinten“ im Garten direkt neben dem Kompost. Denn wenn die Jauche reif ist, kommen die Überreste der Brennnesseln selbstverständlich auf den Kompost.

Die Jauche zieht einiges an Insekten an, vor allem Fliegen. Und die Tierchen ersaufen in dem Behälter dann jämmerlich. Auch das verhindert der Deckel. Fliegende Insekten sollen in Deinem Garten ja vor allem bestäubend und damit nutzbringend wirken und nicht den Ertrinkungstod sterben. Tipp Nummer 3: Der Deckel darf nur nicht dicht und fest verschlossen sein, denn beim Fermentieren entstehen ja Gase und damit auch Druck. Und wenn Du einen fest verschlossenen und eventuel unter Druck stehenden Bottich dann zum Umrühren öffnest, nachdem das Ding den ganzen Tag in der Sonne gestanden hat … denk einfach an, das, was ich zum Thema Klamotten und gesellschaftsfähig gesagt habe 😉 Und sollte der Druck in dem Ding wegen des hermetisch dichten Deckels so groß werden, dass das ganze Behältnis platzt und die Jauche ausläuft … denk an das, was ich bezüglich Deiner Nachbarn gesagt habe 😉

Hier noch ein passender Buchtipp zum Thema: Brennnesseljauche & Co.: Pflanzen retten Pflanzen gilt sozusagen als die Bibel für die Nutzung von Brennnesseljauchen und ähnlichen aus der Natur gewonnenen Pflanzenstärkungs- und Schutzmitteln. Das Buch stammt ursprünglich aus Frankreich, wo hunderttausende Gärtner bei diesem Thema schon viel länger dran und erfahrenen sind, als wir bei uns.

Hier ein kurzer Auszug aus der Buchbeschreibung: „Die Autoren stellen darin Wege vor, wie man die Pflanzen im eigenen Garten gegen Schädlinge schützt und im Wachstum unterstützt. Das alles ohne den Einsatz von Gift und Chemie. Die Zauberformel dabei lautet: Pflanzen retten Pflanzen.“

Damit kommen wir zu Tipp Nummer 4: Ein Schluck Kaffee. Ich gebe an meine Brennesseljauche mittlerweile auch gerne einen dicken Schluck – circa einen Liter – kalten Kaffee. Wenn ich Kaffee koche, bleibt ja manchmal ein Schluck in der Tasse, den man nicht mehr trinkt, weil er kalt ist. Und wenn ich den Kaffee frisch gefiltert habe, setze ich den Kaffeefilter auf ein Einmachglas und lass noch etwas Wasser drüber laufen und gewinne so noch „Restkaffee“. So sammele ich in einem Behälter, der knapp 1,5 Liter fasst, „kalten Kaffee“, denn der hat auch noch einiges an Nährstoffen in sich, die gut für Pflanzen sind. Auch mit Kaffeewasser kann man düngen. Deshalb kippe ich den kalten Kaffee zur Brennnesseljauche dazu. Das macht diese wieder etwas wertvoller und hilft vielleicht auch noch etwas gegen den „Duft“. Der Kaffeesatz landet bei mir samt Papierfilter auf dem Kompost.

Kommen wir zum Tipp Nummer 5 und damit zum letzten Tipp: Halte dich absolut sklavisch an das Rezept! Kein Gramm Brennnesseln mehr! Kein Milliliter Wasser zu viel …. Scherz beiseite. Tatsächlich ist das Rezept eher nur ein grober Leitfaden. Ich mache das eher frei Schnauze, zumal in meine Plastiktonne mehr als 10 Liter Wasser hinein gehen. Ich haue die Tonne mit Brennnesseln bis oben hin voll ohne diese aber fest zu pressen. Dann gieße ich das Ganze mit Wasser auf und gut isses!

Brennnesseljauche als natürlicher Dünger einsetzen

Kommen wir zu der Frage, wie man die Jauche dann zum Düngen verwendet. Eigentlich ganz einfach: Du verdünnst das Zeug normalerweise im Verhältnis 1 zu 10 mit Wasser. Ich hab einen 1-Liter-Messbecher, den ich mit der Jauche voll mache. Dann kippe ich das in eine 10-Liter-Gießkanne und fülle die bis oben hin auf. Fertig ist die einsatzbereite natürliche Flüssigdüngemischung. Apropos „normalerweise“, die wenigen anderen Fälle beschreibe ich weiter unten.

Wie oft sollte man damit düngen? Düngen, also im Prinzip gießen, kann man damit circa zwei Mal im Monat. Denn auch mit natürlichem Dünger gilt, zu viel ist schnell zu viel. Schau Dir einfach Deine Pflanzen und deren Wachstum an. Wenn alles satt grün ist und kräftig wächst, ist alles ok. Scheinen die Pflanzen zu schwächeln – Blätter werden beispielsweise plötzlich blass und kraftlos – dann kommt die nächste Dusche mit der Brennnesseljauche.

Wichtig: Gieße die Mischung an die Wurzeln, nicht auf die Blätter! Zum einen werden die Nährstoffe vor allem über die Wurzeln aufgenommen und zum anderen – so habe ich zumindest gelesen – kann die Jauchenmischung eventuell die Blätter verätzen. Ich habe bei mir im Garten zwar noch keine Schäden beispielsweise an den Blättern der Erdbeer, oder Kohlrabipflanzen gesehen, die doch mal einen Spitzer abbekommen haben. Aber wie gesagt, das Zeug soll in die Erde und an die Wurzeln und nicht auf die Blätter. Besonders gut aufgenommen wir die Düngesuppe, wenn der Boden schon nass ist, also beispielsweise nach einem Regenschauer.

Kann man alles damit Düngen? Eigentlich ja, aber es gibt doch ein paar wenige Ausnahmen: Erbsen, Knoblauch und Zwiebeln, Möhren, Obst und Blumen solltest Du wenn, dann nur sehr zurückhaltend mit Brennnesseljauche düngen, denn diese Pflanzen mögen vor allem Stickstoff nur in sehr geringen Maßen. Das gilt auch für Schwachzehrer wie Blumenswiesen, Lavendel, oder Sukulenten beispielsweise auf meiner Bienenweide. Du kannst diese Pflanzen auch mit einer höheren Verdünnung gießen, beispielsweise 1 zu 20 oder 1 zu 30. Das Verhältnis 1 zu 20 gilt auch für noch zarte, frisch gesetzte Pflanzen und Setzlinge. Bei denen wäre 1 zu 10 zu viel des Guten. Und Du kannst damit sogar Deinen Rasen düngen, wenn Du dafür die Brennnesseljauche im Verhältnis 1 zu 50 mischst.

Es riecht kurz ein bisschen. Wie Du ja gelesen hast, ist Brennnesseljauche geruchsmäßig mitunter … herausfordernd. Denn auch mit dem Urgesteinsmehl ist sie noch nicht ganz geruchsneutral. Und auch wenn Du die düngefertige Mischung mit 1 zu 10 ansetzt, dann kann eine halbwegs normal empfindliche Nase noch einen gewissen Geruch wahrnehmen. Der verfliegt in kurzer Zeit, sobald die Mischung in den Boden eingedrungen ist. Aber Du solltest daran denken, vor allem auch, wenn Du mit der Jauche Pflanzen in deiner Wohnung düngst.

Du hast an bestimmten Pflanzen Blattläuse? Kein Problem! Nimm dazu etwas frisch angesetzte und noch nicht durchgereifte Brennnesseljauche – also beispielsweise 12 bis 24 Stunden nach dem Ansetzen – gib diese Brennnesselbrühe in eine Spitzflasche und besprühe die betroffene Pflanze damit. Diese „junge Brennnesselbrühe“ wirkt gegen saugende und beißende Insekten wie eben Blattläuse. So kannst Du diese ohne chemische Keule bekämpfen. Du kannst auch einen „Heißauszug“ machen, also Brennnesselblätter wie Tee aufkochen und damit spitzen.

Bonus-Tipp zum Schluss: Kein Metallgefäß

Einen (Tipp) hab ich noch zum Schluss: Nimm zum Ansetzen der Brennesseljauche nur Gefäße aus Kunststoff oder aus Holz! Bei Metallgefäßen finden während der Fermentation chemische Prozesse statt – frag mich nicht welche, ich bin kein Chemiker – die dafür sorgen, dass die Jauche nichts wird oder verdirbt.

3 Kommentare

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